Fachtagung: Alleinerziehend – aber nicht alleine!
Anlässlich des 4. „Deutschen Weiterbildungstages“ organisierte das BiG - Bildungszentrum in Greifswald am 21. September 2012 eine Fachtagung im Rahmen des Projektes „anna“. Im Vordergrund stand die Vernetzung unterschiedlicher Verbände, Vereine und Projekte in Mecklenburg-Vorpommern, die sich für Alleinerziehende einsetzen. Im Ergebnis wurde klar, dass vor allem eine Zusammenarbeit – sowohl von Politik und Wirtschaft als auch der Betroffenen – mit individuellen Lösungen wichtig ist.

Gerade für alleinerziehende Mütter und Väter ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie oft eine erhebliche Herausforderung. Seit Jahren widmen sich diverse Einrichtungen diesem Thema. Die Fachtagung im BiG stellte deshalb unterschiedliche Perspektiven der Netzwerkarbeit in den Mittelpunkt. Dabei ging es vorrangig um die berufliche Weiterbildung Alleinerziehender. Eines der Angebote ist etwa das Projekt „ALMUT“ an der Trainings- und Fortbildungsakademie Neubrandenburg. Hier entwickeln die Beteiligten klare Zielstellungen und erzeugen eine persönliche Motivation. Dies könne beispielsweise durch Praktika geschehen. Auf diese Weise ließen sich Vorurteile auf beiden Seiten abbauen und alle Partner zur Vermittlung von Fachkompetenzen einbeziehen.

Die Tagung zeigte in diesem Zusammenhang, dass Musterlösungen in aller Regel wenig erfolgreich sind. Stattdessen bedarf es individueller Konzepte, da auch die Problemlagen Alleinerziehender individuell verschieden sind. Nicht nur persönliche Hemmnisse – wie Überforderung, soziale Instabilität oder gar psychische Probleme – stellen eine Hürde dar, sondern auch äußere Einflüsse. „Die Vereinbarkeit von Kin-dern und Beruf ist im Bildungssystem kaum vorgesehen“, meint Dr. Cathleen Kiefert-Demuth von der Fachstelle „IMPULS MV – Regionalstellen für die Gleichstellung von Frauen und Männern am Arbeitsmarkt“.

Dass es sich bei der Problematik alleinerziehender Mütter und Väter nicht nur um eine Randerscheinung handelt, zeigt die Statistik. Im Jahr 2010 waren in Mecklenburg-Vorpommern laut amtlicher Zählung ca. 27 % derer, die Leistungen nach dem SGB II oder III beziehen, alleinerziehend. Rund 11 % davon waren oder sind alleinerziehende Väter. Gleichwohl sind 32 % der Betroffenen erwerbstätig, stocken also auf. Zumeist ist das nötig, weil sie aufgrund eines ungeeigneten oder fehlenden B-rufsabschlusses vergleichsweise geringqualifizierte Tätigkeiten ausführen. Oft kann hier ein nachgeholter Berufsabschluss helfen.

 

Über „anna“

„anna“ steht für „ANerkannte Berufsabschlüsse durch modulare NAchqualifizierung in Vorpommern“. Das Projekt im Rahmen des Programms „Perspektive Berufsabschluss“, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird, unterstützt und begleitet Menschen ohne anerkannten Berufsabschluss. Durch eine modulare Nachqualifizierung können sie sich Baustein für Baustein in Teilzeit, be-rufsbegleitend oder in Vollzeit auf ihre Abschlussprüfung vorbereiten. Ansprechpart-nerin im BiG ist: Dorit Wehling, Tel. 03834 549-314, E-Mail dwehling@big-hgw.de.

 

 
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