Dokumentation Fachtagung „Ehrenamtliche Bildungsbeauftragte" (17.11.2012)
Rund 100 Teilnehmer/-innen aus ganz Deutschland kamen auf der bundesweiten Fachtagung „Ehrenamtliche Bildungsbeauftragte - Interkulturelle Akteure für die Verbesserung der Bildungsintegration- “ am 17. November 2012 in Bonn zusammen. Die Tagung fand im Rahmen des Begleitprojekts „Mit MigrantInnen für MigrantInnen – Interkulturelle Kooperation zur Verbesserung der Bildungsintegration“ statt.

Bundesweit gibt es ca. 16.000 Migrantenorganisationen, die seit Jahren auf ehrenamtlicher Basis in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen aktiv sind. Sie weisen ein enormes Potenzial auch für die Bildungsintegration auf, welches allerdings erst zum Teil genutzt wird. Auf der Abschluss-Fachtagung haben sich über 60 sogenannte Bildungsbeauftragte aus 50 unterschiedlichen Migrantenorganisationen mit bundes- bzw. landespolitischen Vertreterinnen und Vertretern unter anderem zum Thema „Integration durch Bildung“ ausgetauscht und gemeinsam Lösungen zur Behebung der Benachteiligung junger Menschen mit Migrationshintergrund erarbeitet.

Ministerialrätin Viola-Antoinette Klanten vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) stellte in ihrer Begrüßung die Bedeutung der Zusammenarbeit mit den Migrantenorganisationen und den Mehrwert interkultureller Netzwerke dar. „Beim Aufbau von Vertretungsstrukturen kommt den Bildungsbeauftragten eine zentrale Rolle zu. Als Brückenbauer zwischen Migrantenorganisationen und Regeleinrichtungen sind die Bildungsbeauftragten zweifache Funktionsträger. Sie leisten Beratung für die Ratsuchenden in den Migrantenorganisationen und sind gleichermaßen Ansprech- und Kooperationspartner/-innen für die Akteure in den bestehenden Netzwerken“, so Frau Klanten. Die Förderung des BMBF habe gezeigt, dass sich das Konzept der Bildungsbeauftragten in der Praxis bewährt.

Anschließend stellte Prof. Dr. Paul Mecheril, von der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, das Thema Migration anhand einer Kritik am Integrationsbegriff dar. „Wir leben in einem politischen Raum, der erst seit ganz kurzer Zeit im öffentlichen Raum über Migration spricht – seit ca. zehn Jahren. Im Wesentlichen erst seit der Veränderung des Staatsbürgerschaftsgesetzes 2001“, so Mecheril. Seither werde zwar begrüßenswerter Weise viel über die Migrationstatsache gesprochen, die Engführung auf das Thema Integration führe aber dazu, dass Migranten und Migrantinnen immer wieder in einer Defizitperspektive als gesellschaftlich Andere konstruiert werden."

Als Leiter des Begleitprojektes „Mit MigrantInnen für MigrantInnen“ stellte anschließend Dipl. Ing. Cemalettin Özer einige Ergebnisse des Projektes dar. „Insgesamt arbeiteten bisher in dem Begleitprojekt 118 ehrenamtliche Bildungsbeauftragte mit 32 verschiedenen Sprachen aus 81 Migrantenorganisationen an neun Standorten. Bei der Auswertung hat sich gezeigt, dass die Bildungsbeauftragten überwiegend die Schullaufbahn mit Abitur abgeschlossen haben und die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen. Außerdem ist das Verhältnis von Frauen und Männern gleichmäßig verteilt, was sehr erfreulich ist“, so Özer. Durch die Zwei- oder Mehrsprachigkeit und den Migrationserfahrungen der Bildungsbeauftragten fänden diese einen schnellen Zugang zu den Migrantinnen und Migranten. Zudem seien die Bildungsbeauftragten in Migrantenorganisationen häufig die erste Anlaufperson zur Lösung persönlicher Bildungs- und Qualifikationsfragen.

In der zweiten Hälfte der Tagung haben in Form von World Cafés Bildungsbeauftragte mit bundes- bzw. landespolitischen Vertreterinnen und Vertretern zu den Themen Interkulturelle Elternarbeit, Übergang Schule/Beruf im Migrationskontext,  Nachqualifizierungsangebote und Interkulturelle Netzwerkarbeit diskutiert und ihre Erfahrungen ausgetauscht. Die Gesamtmoderation der Fachtagung übernahmen Annalena Böhmer und Senol Keser von der MOZAIK gGmbH. 

 

 
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