Stadt Augsburg
Stadt Augsburg, Bayern, Förderlaufzeit: 01.09.2010-31.08.2013


Kontakt

Stadt Augsburg
Fachstelle Übergangsmanagement Schule-Beruf

Gögginger Str. 59

86159 Augsburg

Tel.: 0821 324 1090

E-Mail: gerhard.steiner@augsburg.de

 

www.uebergangsmanagement.augsburg.de


Nur 19 % der Hauptschüler der Stadt Augsburg haben 2010 und auch in den Vorjahren eine Ausbildungsstelle im dualen System erhalten, 20 % verlassen die Hauptschule ohne Hauptschulabschluss. Ursächlich hierfür sind zum einen der hohe Anteil der Hauptschüler mit Migrationshintergrund (58 %) aber auch der regionale Umstand der Verdrängung städtischer Hauptschüler durch Hauptschüler aus dem Umland. Betriebe und Unternehmen mit Firmensitz in Augsburg geben bei der Auswahl der Bewerber lieber Hauptschülern aus dem Umland den Vorzug. Insgesamt mündet ein großer Teil der Augsburger Hauptschüler in einer der vielschichtigen Übergangsmaßnahmen mit dem Ziel, die Ausbildungsreife zu erlangen. Über die Verläufe dieser jungen Menschen im Übergang Schule-Beruf und die Wirksamkeit der verschiedenen Maßnahmen ist derzeit wenig bekannt. Auch erfolgt die Förderung der Hauptschüler während der Schulzeit häufig unkoordiniert. Einen Überblick über die Fülle berufsvorbereitender Maßnahmen haben selbst Bildungsexperten inzwischen nicht mehr. Aus diesem Grund können weder Schüler, deren Eltern noch deren Lehrer mit zielgruppenspezifischen Informationen versorgt werden. Erfolgversprechende Modelle der Förderung und Berufsvorbereitung sind damit oft lediglich kleinen Kreisen bekannt.

Je höher die Qualifikation, desto höher die Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Eine abgeschlossene Berufsausbildung wird damit zum Gradmesser für eine berufliche Zukunft und materielle Sicherheit. Vor diesem Hintergrund sind die Analyse der präventiven Förderung der Hauptschüler (Berufsorientierung, Ausbildungsreife) sowie die Analyse der Übergänge von Schule in den Beruf Hauptziele des Regionalen Übergangsmanagements Augsburg. Es geht also darum, die Situation des Übergangs Schule-Beruf mit dem Fokus auf Hauptschüler im Stadtgebiet Augsburg offen zu legen, um erfolgversprechende Ansätze bekannt zu machen, Ansätze für Optimierungen zu finden, Empfehlungen für Alternativen entwickeln zu können und Informationen für junge Menschen vor bzw. im Übergang sowie deren Eltern zusammenzutragen. Auf diese Weise sollen Voraussetzungen für einen erfolgreichen Übergang von Hauptschülern ins Berufsleben geschaffen werden. Weiterhin sollen auf Basis der Erkenntnisse aus den o. a. Analysen die unterschiedlichen Förder- und Übergangsmaßnahmen miteinander vernetzt werden, um Parallelstrukturen zu vermeiden, Synergieeffekte zu nutzen, die Maßnahmen am tatsächlichen Bedarf ausrichten zu können und die für Schulabgänger oftmals frustrierenden Warteschleifen in berufsvorbereitenden Maßnahmen zu vermeiden. Einen besonderen Stellenwert wird das Projektteam RÜM aufgrund der oben beschriebenen Situation in Augsburg der Integration von Hauptschülern mit Migrationshintergrund einräumen.

Zur Umsetzung der o. a. Ziele hat die Stadt Augsburg innerhalb des Referates 4 in der Fachstelle Jugend und Bildung ein vierköpfiges Projektteam „Regionales Übergangsmanagement“ geschaffen. Das Projektteam agiert auf einer strategischen Ebene. Es übernimmt somit eine analysierende und moderierende Funktion im Übergang Schule-Beruf mit dem hauptsächlichen Fokus auf den gelingenden Übergang von Hauptschülern. Zur Umsetzung der o. a. Ziele wird zunächst eine Analyse der Ist-Situation bei den Abgängern der Hauptschulen sowie eine Erfassung der zahlreichen Förder- und Übergangsmaßnahmen im Stadtgebiet Augsburg vorgenommen. Erstere erfolgt über die Auswertung bereits vorliegender statistischer Daten (statistisches Landesamt, Amt für Statistik der Stadt Augsburg, Schulamt, Agentur für Arbeit, Kammern). Auch soll eine Schüler-, Lehrer- und Elternbefragung in Form quantitativer und qualitativer Erhebungen erfolgen. Die Schülerbefragungen sowie die Auswertung statistischer Daten (s. o.) soll im weiteren Projektverlauf in ein Monitoring übergeführt werden. Auf Basis der Daten sollen die Bildungs- und Ausbildungswege der Hauptschüler nach Beendigung der Schulzeit rekonstruiert sowie der Erfolg der durchlaufenen Maßnahmen evaluiert werden. Die aus der Erhebung der Förder- und Übergangsmaßnahmen gewonnenen Informationen sollen medial aufbereitet und in Form von Informationsschriften sowie auf der projekteigenen Homepage veröffentlicht werden. Im Rahmen der Informationsstrategie richtet sich der Fokus im besonderen Maße auf Familien mit Migrationshintergrund. Diesen soll mithilfe von Multiplikatoren (Stadtteilmütter, Vereine etc.) das duale System der Berufsausbildung in Deutschland sowie die damit zusammenhängenden Prozesse (Berufsorientierung, Berufspalette, Bewerbungsverfahren, Berufsschule) näher gebracht werden. Auch soll über Möglichkeiten der Förderung vor und im Übergang Schule-Beruf informiert werden.

Ergebnisse

Ergebnis


Ziel des Projekts war es, auf der Ebene des Schul- und Bildungsreferats der Stadt Augsburg eine Koordinierungsstelle zu etablieren, die - orientiert an den regionalen Bedarfen und regionalen Schwerpunktsetzungen der beteiligten Akteure - neue bzw. verbesserte Strukturen im Bereich des Übergangs Schule-Beruf initiiert, abstimmt und im Durchführungsprozess koordiniert. Das Projekt konkretisierte sich in folgenden Handlungsfeldern:
- Optimierung des Umfeldes, d.h.: Schaffung von dauerhaften, vernetzten, institutionellen Strukturen,
- Schaffung einer höheren Verbindlichkeit und Systematisierung bei der Begleitung der Jugendlichen,
- Verbesserung des individuellen Übergangsmanagements. Schwerpunkte der Arbeit waren der Bereich Elternarbeit, ergänzt durch eine eigene Begleitforschung zur Elternarbeit mit dem Fokus auf Eltern mit Migrationshintergrund, die Vernetzungs- und Gremienarbeit, die Erstellung eines Bildungsberichts, ein Datenbank gestütztes Bildungs- und Übergangsmonitoring, eine Maßnahmedatenbank und die Ausrichtung einer großen Fachtung in Kooperation mit allen relevanten Akteuren.
Mit der Sichtung der Angebotslandschaft und der Schaffung einer Datenbasis zur besseren Transparenz der Aktivitäten der Akteure und der Angebote am Übergang Schule-Beruf wurde ein wichtiges und nachhaltiges Instrument zur Informationsverbreitung und zur Recherche geschaffen. Die Schaffung von Transparenz und die Verbesserung der Kooperation durch Vernetzung bildeten die Basis für die Identifizierung und Schließung von Lücken im Angebotssystem. Mit der Fachtagung "Übergänge in den Beruf erfolgreich meistern - gemeinsam neue Wege gehen" setzte das Projekt für die Stadt ein wichtiges Zeichen für koordiniertes gemeinsames Handeln. Das Projekt kooperierte mit dem Arbeitskreis SchuleWirtschaft. Es wurde von einer intensiven und zielgruppenspezifischen Öffentlichkeitsarbeit flankiert.

Fazit


Durch Zusammenarbeit, Netzwerkarbeit und koordinierte Abstimmungsprozesse wurde das Regionale Übergangsmanagement in Augsburg durch das Projekt weiterentwickelt und nachhaltiger etabliert. Mit der Ausrichtung der Fachtagung im Jahre 2013, dem Augsburger Bildungsbericht, der Elternarbeit und durch die Kooperation mit dem AK Schule/Wirtschaft ist es gelungen, die Aufgabe des Regionalen Übergangsmanagement nachhaltig bei den regionalen Partnern zu verankern und die Kontinuität der Netzwerkarbeit durch ein gemeinsames Handlungskonzept zu sichern. Es ist davon auszugehen, dass die Ergebnisse der im Projekt durchgeführten Begleitforschung der Universität Augsburg zum Thema Jugendliche am Übergang Schule/Beruf eine gute Grundlage sein können für zielgerichtete und wissensbasierte Weiterentwicklungen des Handlungsfeldes. Seit Oktober 2013 wird die Arbeit von RÜM in kommunaler Trägerschaft als Fachstelle Übergang Schule-Beruf weitergeführt und weiterentwickelt.

Wesentliche Schwerpunkte der Arbeit in 2012 waren der Bereich Elternarbeit und die (Mit-)Erstellung des 2. Augsburger Bildungsberichts.

Bereich Elternarbeit:

Zusammen mit dem Amt für Kinder, Jugend und Familie initiierte das RÜM Augsburg den Kooperationskreis "Elternarbeit", dessen Aufgabe die Erarbeitung eines Konzepts war, um schulferne Eltern für eine aktive Zusammenarbeit mit Schule zu gewinnen. In diesem Rahmen wurden an zwei Schulen Pilotprojekte ins Leben gerufen und Handlungsstandards erarbeitet.
Als Unterstützung und Erweiterung des Kooperationskreises "Elternarbeit" wurde seitens des RÜM eine Begleitforschung durchgeführt mit der Fragestellung: Welche Ansätze für gelingende Elternarbeit gibt es? Welche Schwierigkeiten treten in der Zusammenarbeit zwischen Schule und Eltern auf? Gibt es interkulturelle Barrieren zwischen Schule und Familien?
Die in diesem Rahmen laufenden Befragungen haben 2012 begonnen, werden aber schwerpunktmäßig in 2013 weitergeführt und analysiert.

2. Augsburger Bildungsbericht:

Hierzu leistete das RÜM elementare inhaltliche Arbeit, insbesondere wurde der Gender-Aspekt erstmalig in dieser ausgeprägten Form mit einbezogen.

http://augsburg.de/index.php?id=32521

Bildungs- und Übergangsmonitoring:

In Zusammenarbeit mit den Augsburger Berufs- und Mittelschulen wurden die Erfassungsbogen für die SchulabgängerInnen erfolgreich vereinheitlicht. Somit sind erstmalig für Augsburg flächendeckende Aussagen über soziodemographische Merkmale möglich.
Weiterhin wurde durch das RÜM die lückenhafte Datenlage beim Verbleib von SchülerInnen nach dem Schulabschluss durch den Einsatz neuer Methoden verbessert: Telefonische Nachrecherche, erneute Abfragung im Oktober (bisher erfolgte immer nur eine im Juni) und einen erneuten Abgleich der Daten im Februar.

Das Projekt "Regionales Übergangsmanagement" wird von den Verantwortlichen der Stadt Augsburg im Kontext der gesamtstädtischen Jugend- und Bildungsplanung gesehen. Es ist organisatorisch als Fachstelle ausgewiesen und Teil der referatsübergreifenden Fachstelle Jugend und Bildung.

Im Fokus der Arbeit der Fachstelle Übergangsmanagement Schule-Beruf standen im ersten Halbjahr dieses Jahres neben der Einarbeitung der Mitarbeiter in die rechtlichen Rahmenbedingungen des Regionalen Übergangsmanagements, der Literaturrecherche sowie verschiedener Weiterbildungen und Tagungsbesuche

  • die persönliche Kontaktaufnahme zu den Akteuren im Übergangssystem mit den Zielen des gegenseitigen Kennenlernens, der Information und der Vertrauensbildung sowie

  • der Aufbau verbindlicher Kooperationsstrukturen,

  • der Einstieg in eine umfassende Systemanalyse. 

Vertrauensbildende Kontaktaufnahme zu den Akteuren im Übergangssystem

Alle im Übergangssystem aktiven Institutionen haben den Projektantrag schriftlich befürwortet.

Mit der Einführung eines Projekts „Regionales Übergangsmanagement“ ist aber immer auch ein Systemdefizit mitgedacht. Warum sollte auch sonst ein solches Projekt gestartet werden? Die systemimmanente Frage ist dann nur: Wo ist das Defizit und wer trägt hierfür die Verantwortung? In verschiedenen Gesprächen mit Vertretern von Organisationen und Institutionen im Schul- und Übergangssystem haben die Projektmitarbeiter vermutlich vor diesem Hintergrund zum Teil Unsicherheiten, Ängste und Widerstände wahrgenommen. Ziel der Gespräche war es deshalb, sich gegenseitig zu informieren, Vertrauen aufzubauen und aufgrund der gemeinsamen Zielgruppe – Schülerinnen und Schüler der Regelklassen an den Augsburger Mittelschulen – den Blick auf die sich daraus ergebende gemeinsame Aufgabe und Verantwortung zu lenken.

Aufbau verbindlicher Kooperationsstrukturen

Regionales Übergangsmanagement ist eine akteursübergreifende Kooperation, um in der Schule beginnende Übergangsmaßnahmen so aufeinander abzustimmen, dass

  • möglichst viele Jugendliche die Schule ausbildungswillig, ausbildungsreif und mit klaren Berufsvorstellungen verlassen,

  • möglichst viele dieser Schüler und Schülerinnen ohne Verzögerung in eine passende Ausbildung münden,

  • ausbildungswillige Jugendliche im Übergangssystem schnellstmöglich zur nötigen Ausbildungsreife geführt werden und

  • Inhalte von Übergangsmaßnahmen so aufeinander abgestimmt sind, dass für eine zukünftige Ausbildung erforderliche Qualifikationen erworben werden.

Basierend auf dieser Maxime hat die  Fachstelle mit der Konstituierung eines Steuerungskreises - bestehend aus entscheidungsbefugten Vertretern und Vertreterinnen aller Institutionen der Rechtskreise des SGB II, III und VIII sowie der Schulverwaltung, der Kammern und des Arbeitskreises Schule-Wirtschaft - ein Gremium geschaffen, in dem strategische Veränderungen des Übergangssystems gemeinsam beschlossen und umgesetzt werden sollen. Grundlage der Beschlüsse sind u.a. Ergebnisse aus themenbezogenen Arbeitskreisen („Elternarbeit“, „geschlechterspezifische Berufe“, „Migrationsarbeit“ oder aber „AK Schule und Wirtschaft“).

Einstieg in eine umfassende Systemanalyse

Die vertrauensbildenden Gespräche waren zumeist als Experteninterviews angelegt, um tiefere Einblicke in strukturelle Zusammenhänge im Zuge von Berufsorientierungs- sowie Berufsvorbereitungsmaßnahmen zu erhalten. Bei der Frage nach Verbesserungsmöglichkeiten oder nach den gewünschten Leistungen der Fachstelle nahmen die Gesprächspartner insbesondere externe Strukturen, Rahmenbedingungen, Systeme oder Institutionen in den Blick. Durch diese unterschiedlichen Perspektiven auf das Übergangssystem ergibt sich zum einen ein Mosaik aus komplexen systemischen Strukturen und zum anderen entstehen eine Menge zu klärender Folgefragen. Ziel der Projektmitarbeiter ist es, durch weitere Gespräche und die Klärung dieser Fragen, das Mosaik zu einem klaren Bild über das Übergangssystem weiterzuentwickeln.
Flankiert wird die Systemanalyse durch eine wissenschaftlich angelegte Begleitforschung mit dem sozialwissenschaftlichen Institut der Universität Augsburg unter der Leitung von Prof. Dr. Werner Schneider. Hierzu wurden im ersten Halbjahr 2011 die Ziele abgesteckt und erste Vorgespräche für die im September startende quantitative und qualitative Befragung von Jugendlichen ohne Ausbildung geführt.

Erste Analyseergebnisse im Bereich der Berufsorientierung zeigen ein hohes und differenziertes Engagement der Mittelschulen, der Agentur für Arbeit, des Amtes für Kinder, Jugend und Familie der Stadt Augsburg sowie verschiedener Wirtschaftsvertreter und Privatpersonen im Zuge der Berufsorientierung. Läuft dieses aber - wie von einigen Gesprächspartnern angemerkt - unkoordiniert, erhalten die Schüler unterschiedliche, zum Teil auch sich widersprechende Informationen zum gleichen Thema, wobei andere wichtige Themen nicht abgedeckt werden. Dies führt zu Verunsicherungen bei den Jugendlichen und wirkt sich daher kontraproduktiv aus. Hier gilt es in einem nächsten Schritt Knotenpunkte zu knüpfen, um die Maßnahmen vor Ort - also an den Mittelschulen - zu koordinieren.

Projekt­darstellungen

Arbeits­materialien

Erhebungen

 
Förderung
Durchführung