Dortmund
"Dortmunder Initiative Pro Berufsabschluss", Nordrhein-Westfalen, Förderlaufzeit: 01.09.2010-31.08.2013


Kontakt

Petra Skroblin
Entwicklungszentrum für berufliche Qualifizierung und Integration GmbH
Evinger Platz 11
44339 Dortmund

Tel.: 0231 728484-0
Fax: 0231 7284002
E-Mail: skroblin@ewz-do.com 

 


Der Strukturwandel im Ruhrgebiet hat die Wirtschaftstruktur der Stadt Dortmund nachhaltig verändert: Von den alten Industrien Kohle, Stahl und Bier hin zu Dienstleistung, Logistik, Mikrosystemtechnik und Kreativwirtschaft. Die Berufs- und Arbeitsbereiche der ehemals gewerblich Beschäftigten in der Montanindustrie sind fast verschwunden. Trotz vieler Qualifizierungsanstrengungen und eines starken Fördervolumens im Rahmen von ESF und Bund, Land und Kommune in den letzten Jahrzehnten ist es nicht im ausreichenden Umfang gelungen, die ehemals dort Beschäftigten sowie ihre Kinder und Enkel durch schulische und berufliche Qualifikationen in den neuen hochtechnologie- und dienstleistungsorientierten Arbeitsmarkt hinüber zu führen.

Die Arbeitslosigkeit in Dortmund lag im Dezember 2010 bei 12,6%. Für un- und angelernte Menschen verschlechtern sich die Chancen auf eine dauerhafte Beschäftigung drastisch. Die Entwicklungen des Arbeitsmarkts zeigen, dass eine abgeschlossene Berufsausbildung deutlich die individuelle Beschäftigungsfähigkeit erhöht und das Risiko auf Langzeitarbeitslosigkeit senkt.

Trotzdem ist der Anteil der Menschen, die nachträglich einen Berufsabschluss erwerben, noch sehr gering, denn:

  • Die Möglichkeiten und Wege zum Nachholen von Bildungsabschlüssen sind gerade bei den niedrig qualifizierten Arbeitnehmern/innen und Arbeitslosen nur wenig bekannt.
  • Es fehlt an Konzepten für eine systematische betriebliche Aufstiegsqualifizierung von un- und angelernten Beschäftigten in Unternehmen.
  • Die abschlussbezogene Nachqualifizierung stellt insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen vor große Herausforderungen, da die Integration einer solchen Weiterbildung in den betrieblichen Ablauf nicht nur finanzielle sondern vor allem organisatorische Kapazitäten verlangt.
  • Für Menschen mit Migrationshintergrund fehlen genau die konkreten Informationen und kulturell kompetenten Beratungsangebote, um herkunfts- aber auch ethnisch bedingte sowie geschlechtsspezifische Barrieren beim Zugang zur beruflichen Weiterbildung abzubauen.

Ziel des Vorhabens ist es, die in Dortmund bestehenden Kooperations-, Unterstützungs- und Beratungsstrukturen um das Thema Erwerb eines nachträglichen Berufsabschlusses für junge Erwachsene zwischen 25 und 45 Jahren planvoll zu ergänzen und dies nachhaltig zu etablieren.

  • Entwicklung eines nachhaltigen lokalen Pakts für Weiterbildung und nachträglichen Berufsabschluss
  • Einrichtung eines Übergangsmanagements für junge ungelernte Beschäftigte und Arbeitssuchende Ü25
  • Verankerung der Handlungsschritte von „NQ Dortmund – Dortmunder Initiative Pro Berufsabschluss“ als Standard der Arbeitsmarkt- und Bildungsaktivitäten in Dortmund

Entwicklung eines "Pakts für Weiterbildung und nachträglichen Berufsabschluss"

Um das Thema der abschlussbezogenen Nachqualifizierung systematisch und nachhaltig in Dortmund platzieren zu können, bedarf es der aktiven Zusammenarbeit aller lokalen Strukturpartner.

Wir stimmen die Rahmenbedingungen, Verfahrensweisen und Qualitätsanforderungen für modulare Nachqualifizierungen mit den Kammern, den Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbänden, der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter Dortmund, der Wirtschaftsförderung Dortmund sowie den lokalen Weiterbildungsträgern ab.

Unterstützung von Betrieben bei der Erschließung und Aktivierung der Fähigkeiten ihrer Belegschaften

Die meisten Betriebe sind mittlerweile für die Gefahr des drohenden Fachkräftemangels sensibilisiert; einige sind schon unmittelbar betroffen. Das Problem: Die Beschaffung von Fachkräften ist schwierig und teuer! Deshalb lohnt es sich, die vorhandenen Mitarbeiterkompetenzen im eigenen Betrieb zu analysieren und wirksam zu fördern. Wir geben den Betrieben auf den verschieden

Handlungsebenen die notwendige Information, Beratung und Unterstützung, um über betriebsnahe modulare Nachqualifizierung das brachliegende Mitarbeiterpotenzial bei den an- und ungelernten Beschäftigten auszuschöpfen.

Information, Beratung und Hilfestellung für an- und ungelernte junge Erwachsene (Ü25)

Junge Erwachsene ohne Berufsausbildung beraten und begleiten wir vor und während des gesamten Qualifizierungsprozesses, damit sie, ausgerüstet mit dem nötigen Wissen, motiviert und zuversichtlich den Weg eines nachträglichen Berufsabschlusses einschlagen können.

Interkulturelle Beratung für junge Migranten/innen

Migranten/innen ohne Berufsausbildung oder mit Berufsabschlüssen, die in Deutschland nicht anerkannt oder nicht mehr verwertbar sind, erhalten eine differenzierte Beratung und Interventionsstrategie.

Serviceagentur für Nachqualifizierung

Um Zielsetzungen und Arbeitschwerpunkte im Vorhaben umzusetzen und transparent zu machen, richten wir eine "Serviceagentur für Nachqualifizierung" ein.

Als Koordinationsstelle für das lokale Netzwerk stellt sie eine Plattform für Informationen und Erfahrungsaustausch der Netzwerkpartner dar.

Als kostenfreie und neutrale "Bildungsberatungsstelle für Nachqualifizierung" hat sie für interessierte junge Erwachsene ohne Berufsabschluss und für Unternehmen folgende Angebote:

  • Allgemeine Information zu der Anerkennung von Abschlüssen
  • Information zu den rechtlichen Rahmenbedingungen und den finanziellen Fördermöglichkeiten
  • Kompetenzfeststellung und individuelle Berufswege- und Qualifizierungsberatung und –planung
  • Information zu den passenden Qualifizierungsangeboten
  • Beratung und Information für Unternehmen, ausdrücklich für KMU
  • Beratung und Information für Migranten/innen und Migrantenbetriebe, z. B. zu den Anerkennungen von ausländischen Schul- und Berufsabschlüssen sowie zu der Anerkennung und Bewertung ausländischer berufsqualifizierender Abschlüsse

In der Beratung sowie in der Konzeption zur modularen abschlussbezogenen Nachqualifizierung folgen wir in Zielen und Inhalten den rechtlichen Regelungen eines Berufsbildes. Richtpunkt ist die Zulassung zur und die erfolgreiche Teilnahme an Prüfungen vor der zuständigen Kammer.

Ergebnisse

Ergebnisse

Das Vorhaben "NQ Dortmund - Dortmunder Initiative Pro Berufsabschluss" des Entwicklungszentrums für berufliche Qualifizierung und Integration GmbH (EWZ) hat mit folgenden Ergebnissen zur Erreichung der förderpolitischen Ziele beigetragen:
* Unter Nutzung bestehender Kooperationen wurden regionale Strukturen erweitert und auf das Thema Nachqualifizierung orientiert.
* Unternehmen sowie Un- und Angelernte wurden durch zielgruppenorientierte Ansprache für das Thema sensibilisiert und die Möglichkeiten und Vorteile dieses bildungspolitischen Instruments wurden bekanntgemacht und verdeutlicht.
* Beratungsstrukturen wurden aufgebaut; eine permanente Service-/Beratungsstelle wurde eingerichtet und beworben. Beratungsinstrumente wurden entwickelt, erprobt und strukturell verankert. Menschen mit Migrationshintergrund wurden besonders in den Blick genommen und sehr individuell beraten und begleitet.
* Nachqualifizierungsangebote wurden in Kooperation der Netzwerkpartner entwickelt und stehen zur Nutzung bereit. Das Angebot kann bei Bedarf erweitert werden.

Fazit

Bedingt durch die Projektarbeit erhöhte sich regional die Nutzung der Nachqualifizierungsangebote. Verstärkt sollen nach Projektende an Unternehmensinteresse orientierte Qualifizierungsangebote entwickelt werden. Ausschlaggebend für die wirtschaftliche Anschlussnutzung ist neben den vorhandenen betrieblichen Bedarfen die Sicherung der Fördermöglichkeiten und die bedarfsorientierte Gestaltung der Förderbedingungen: Für das Jahr 2014 haben sowohl die AA als auch das Jobcenter Dortmund die Themen modulare Nachqualifizierung und Vorbereitung auf die Externenprüfung als Bildungsziele definiert; Mittel werden hierfür bereitgestellt. Vor allem auch junge Erwachsene mit Migrationshintergrund sollen verstärkt angesprochen und beraten werden.
Es zeichnete sich bei Projektende ab, dass die entwickelten Instrumente und Angebote intensiv im Rahmen der Umsetzung des Anerkennungsgesetzes genutzt werden können. Die Kooperation mit den anerkennenden Stellen wird fortgeführt und intensiviert.

Expertengruppe

Seit Juli 2011 finden regelmäßige Arbeitstreffen mit der das Projekt begleitenden Expertengruppe statt. Neben dem Netzwerkgedanken sollen hier u.a. gemeinsam Vorschläge für einen lokalen Konsens im Rahmen der Dortmunder Arbeitsmarktstrategie zum Thema „Nachqualifizierung“ erarbeitet und mit den relevanten Arbeitsmarktakteuren diskutiert bzw. über diese konsolidiert werden.
Die 14 Mitglieder der Expertengruppe sind engagierte Vertreterinnen und Vertreter von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbänden, von zwei Betriebs- bzw. Unternehmensberatungen, der Arbeitsagentur und des Jobcenters Dortmund, des Dezernats für Arbeit, Gesundheit und Soziales, der Wirtschaftsförderung, der HWK, der Weiterbildungsberatung Hamm, des Dortmunder Weiterbildungsforums e. V. (dwf.) – einem Netzwerk von 37 Dortmunder Bildungsdienstleistern unter öffentlicher und privater Trägerschaft – sowie des Integrationsrats bzw. der Migrations- und Integrationsagentur.

Folgende Aufgabeninhalte wurden in der Expertengruppe verabredet:

• Fachliche Beratung und Unterstützung des Projektes über den gesamten Zeitraum,
• Absprachen zu den relevanten und für alle Beteiligten vertretbaren Rahmenbedingungen, Verfahrensweisen und Qualitätsanforderungen,
• Vereinbarungen zu den optimalen Vorgehensweisen, Expertisen und Lösungsansätzen,
• Kritische Überprüfung und Reflexion der im Projekt erarbeiteten Konzepte, Instrumente und Methoden.

Aus der Expertengruppe haben sich inzwischen zwei Arbeitsgruppen zu den nachfolgenden Themenstellungen gebildet:

1. „Entwicklung einer modularen NQ“ und
2. „Sprachliche Anpassung von Tests und Prüfungsbögen“

Beratung zur Nachqualifizierung / Serviceagentur NQ

Seit November 2011 wird die „Beratung zur Nachqualifizierung“ am neuen Standort der Weiterbildungsberatung (WBB) des dwf., Berswordthalle, mit einem festen Beratungsplatz für die NQ-Beraterinnen und -Berater durchgeführt. Aus Gründen der Kundenorientierung (Transparenz) und der Nachhaltigkeit wird nicht die „Serviceagentur NQ“ sondern die „Beratung zur Nachqualifizierung“ an der Beratungsstelle ausgewiesen. Die Beratungsstelle ist zentral in der Dortmunder City gelegen.

Kundeninnen und Kunden erhalten die Beratung zur Nachqualifizierung kostenfrei und trägerneutral:

• Information über Wege zu Berufsabschlüssen,
• Individuelle Orientierungsberatung und Qualifizierungsplanung zum Berufsabschluss,
• Information zu den passenden Nachqualifizierungsangeboten,
• Information und (Qualifizierungs-)Beratung für kleine und mittelständische Unternehmen,
• Information und Beratung zur Anerkennung von ausländischen Schul- und Berufsabschlüssen oder berufsqualifizierender Abschlüsse,
• Information und (Qualifizierungs-)Beratung für Unternehmerinnen und Unternehmer mit Migrationshintergrund.

Die offizielle Eröffnung der „Beratung zur Nachqualifizierung“ erfolgte in Kooperation mit dem dwf. im Rahmen einer kleinen Feierlichkeit zum neuen Standort der WBB am 21. November 2011. Vertreter und Vertreterinnen der regionalen (Arbeitsmarkt-) Politik und Wirtschaft sowie von Migrantenselbstorganisationen und Bildungsdienstleistern waren anwesend.
Vor allem in der türkischen Presse und im türkischen Fernsehen wurde über die Eröffnung und das Angebot der „Beratung zur Nachqualifizierung“ sowie das Projekt NQ Dortmund – Dortmunder Initiative Pro Berufsabschluss berichtet.
Bis zum heutigen Zeitpunkt fanden bereits mehr als 190 gezielte Beratungen statt. Die Ratsuchenden waren größtenteils über diverse Informations- und Öffentlichkeitsveranstaltungen des Teams NQ Dortmund, darüber hinaus über Artikel und Werbung in der Presse auf die Beratungsstelle aufmerksam geworden. Über 90% der Ratsuchenden Menschen, die bisher beraten wurden, haben einen Migrationshintergrund. Viele dieser Ratsuchenden erreichten in ihrem Heimatland einen Berufs- oder Hochschulabschluss, der jedoch in Deutschland nicht oder nur teilweise anerkannt worden ist. Das Team NQ Dortmund konnte bereits für diverse Ratsuchende ein Anerkennungsverfahren initiieren und erfolgreich begleiten. Weitere Fragestellungen beziehen sich auf: Nachho-len eines Berufsabschlusses, Umschulung, Ausbildung oder andere abschlussbezogene Qualifizie-rungsmöglichkeiten.

Beispiele für Beratungsergebnisse:

• Einige Kundinnen bzw. Kunden mit Migrationshintergrund haben einen Kurs zur Anerkennung ihres im Ausland erworbenen Berufsabschlusses zur Krankenschwester bzw. zum Krankenpfleger begonnen.
• Ein weiterer Kunde bereitet sich im Rahmen eines Kurses auf die Externenprüfung zum Kaufmann im Einzelhandel vor.

Weiterbildungsportal „pro-weiterbildung.de“

Aus den bisherigen Gesprächen mit Interessentinnen und Interessenten sowie mit Unternehmensvertretern/innen ist ein deutlicher Beratungs- bzw. Informationsbedarf zum Thema Externenprüfung abzuleiten. Dieser resultiert zum einen daraus, dass die Rahmenbedingungen und Wege mehrheitlich unbekannt, darüber hinaus die Angebote an Kursen zur Vorbereitung auf eine Externenprüfung für den Ratsuchenden / die Ratsuchende schwierig zu identifizieren sind; desgleichen für die Beraterinnen und Berater der WBB.
Um eine höhere Transparenz bezüglich der bereits bestehenden Angebote zu schaffen, wurde mit der Leiterin der Stiftung Weiterbildung (Kreis Unna) – die Stiftung ist Träger der Weiterbildungsdatenbank – verabredet, die regionalen Angebote an Vorbereitungskursen und das Thema „Nachqualifizierung“ explizit in der Datenbank „pro-weiterbildung.de“ (Dortmund, Kreis Unna, Hamm) darzustellen.

NQ-Netzwerk

Im Zuge der Mitgliederversammlungen des Trägernetzwerkes dwf. werden die Mitgliedsunternehmen und beratende Mitglieder regelmäßig über die Arbeit und Planungen des Vorhabens informiert. In dem ersten „NQ-Workshop für Bildungsdienstleister / Partnerinstitutionen“ am 30.10 2012 wurden u. a. verabredet, gemeinsam daran zu arbeiten, den Begriff „Nachqualifizierung“ bekannter zu machen und zu etablieren, zudem über die Dauer des Vorhabens hinaus, eine regionale Strategie zu entwickeln.

Unser Auftrag mit dem Projekt „NQ Dortmund – Dortmunder Initiative Pro Berufsabschluss“ ist es, modulare Nachqualifizierung als ein Vorgehen für die Arbeitsmarkt- und Bildungsaktivitäten in Dortmund zu etablieren, zudem Transparenz hinsichtlich der Möglichkeiten, Angebote und Wege zum Nachholen eines Berufsabschlusses für ratsuchende Menschen und Unternehmen zu schaffen. NQ Dortmund übernimmt hier während der Projektlaufzeit eine „Lotsenfunktion“.

NQ Dortmund ist in erster Linie ein Strukturentwicklungsprojekt. Kernpunkt der Arbeit ist es, einen gemeinschaftlichen Weg für Nachqualifizierungsfragen in Dortmund zu initiieren und im Konsens mit der kommunalen Arbeitsmarktstrategie nachhaltig zu implementieren. Zur Erreichung dieser Zielsetzung wird in dem Projekt auf mehreren Handlungsebenen gearbeitet: individuell, betrieblich und regional arbeitsmarktpolitisch. Die Zusammenarbeit mit allen schon in Dortmund vorhandenenden Angeboten, Initiativen und Projekten zum Themenfeld „Berufliche (Nach-)Qualifizierung / Berufsabschluss“ und die somit mögliche Nutzung von Synergieeffekten wird konsequent verfolgt. Die Verstetigung der Arbeit und Arbeitsergebnisse von „NQ Dortmund“ nach Projektende ist erklärte Absicht.

Zentrales Ziel des Teams NQ Dortmund – Dortmunder Initiative Pro Berufsabschluss ist von Anfang an, ein lokales Netzwerk für das Thema „Nachqualifizierung“ zu begründen und zu festigen. Dies ist mittlerweile größtenteils gelungen, so dass wir heute sagen können: Die Basis ist gelegt, wichtige arbeitsmarktpolitische Akteure sind „im Boot“ und werden bei den Bemühungen, das Thema „Nachqualifizierung“ strukturell zu festigen und weiterzuentwickeln, sowie bei der Umsetzung projektbezogener Aktivitäten mitwirken.

 

Expertengruppe

Seit Juli 2011 finden regelmäßige Arbeitstreffen mit der das Projekt begleitenden Expertengruppe statt. Neben dem Netzwerkgedanken sollen hier u.a. gemeinsam Vorschläge für einen lokalen Konsens im Rahmen der Dortmunder Arbeitsmarktstrategie zum Thema „Nachqualifizierung“ erarbeitet und mit den relevanten Arbeitsmarktakteuren diskutiert bzw. über diese konsolidiert werden.

 

Die 13 Mitglieder der Expertengruppe sind engagierte Vertreter und Vertreterinnen von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbänden, von zwei Unternehmensberatungen, der Arbeitsagentur und des Jobcenters Dortmund, des Dezernats für Arbeit, Gesundheit und Soziales, der Wirtschaftsförderung, des Dortmunder Weiterbildungsforums e. V. (dwf.) – einem Netzwerk von 35 Dortmunder Weiterbildungsträgern unter öffentlicher und privater Trägerschaft – sowie des Integrationsrats bzw. der Migrations- und Integrationsagentur.

Folgende Aufgabeninhalte wurden in der Expertengruppe verabredet:

 

  • Fachliche Beratung und Unterstützung des Projektes über den gesamten Zeitraum,
  • Absprachen zu den relevanten und für alle Beteiligten vertretbaren Rahmenbedingungen, Verfahrensweisen und Qualitätsanforderungen,
  • Vereinbarungen zu den optimalen Vorgehensweisen, Expertisen und Lösungsansätzen,
  • Kritische Überprüfung und Reflexion der im Projekt erarbeiteten Konzepte, Instrumente und Methoden.

 

 

Beratung zur Nachqualifizierung

 

 

Serviceagentur NQ

Seit der 41. KW wird die „Beratung zur Nachqualifizierung“ im neuen Standort der Weiterbildungsberatung (WBB) des dwf., Berswordthalle, mit einem festen Beratungsplatz für die NQ-Berater und -Beraterinnen durchgeführt. Aus Gründen der Kundenorientierung (Transparenz) und der Nachhaltigkeit wird nicht die „Serviceagentur NQ“ sondern die „Beratung zur Nachqualifizierung“ an der Beratungsstelle ausgewiesen. Die Beratungsstelle ist zentral in der Dortmunder City gelegen.

 

Kunden und Kundinnen erhalten die Beratung zur Nachqualifizierung kostenfrei und trägerneutral:

 

  • Information über Wege zu Berufsabschlüssen,
  • Individuelle Orientierungsberatung und Qualifizierungsplanung zum Berufsabschluss,
  • Information zu den passenden Nachqualifizierungsangeboten,
  • Information und (Qualifizierungs-)Beratung für kleine und mittelständische Unternehmen,
  • Information und Beratung zur Anerkennung von ausländischen Schul- und Berufsabschlüssen oder berufsqualifizierender Abschlüsse,
  • Information und (Qualifizierungs-)Beratung für Unternehmerinnen und Unternehmer mit Migrationshintergrund.

 

Die offizielle Eröffnung der „Beratung zur Nachqualifizierung“ erfolgte in Kooperation mit dem dwf. im Rahmen einer kleinen Feierlichkeit zum neuen Standort der WBB am 21. November 2011. Vertreter und Vertreterinnen der lokalen (Arbeitsmarkt-)Politik und Wirtschaft sowie von Migrantenorganisationen und Weiterbildungsträgern waren anwesend.
Vor allem in der türkischen Presse und im türkischen Fernsehen wurde über die Eröffnung und das Angebot der „Beratung zur Nachqualifizierung“ sowie das Projekt NQ Dortmund – Dortmunder Initiative Pro Berufsabschluss berichtet.

Bis zum heutigen Zeitpunkt fanden bereits mehr als 40 gezielte Beratungen statt. Die Ratsuchenden waren größtenteils über diverse Informations- und Öffentlichkeitsveranstaltungen des Teams NQ Dortmund, darüber hinaus über Artikel und Werbung in der Presse auf die Beratungsstelle aufmerksam geworden. Die meisten Menschen, die bisher beraten wurden, haben einen Migrationshintergrund. Viele dieser Ratsuchenden erreichten in ihrem Heimatland einen Berufs- oder Hochschulabschluss, der jedoch in Deutschland nicht oder nur teilweise anerkannt worden ist. Das Team NQ Dortmund konnte bereits für diverse Ratsuchende ein Anerkennungsverfahren initiieren und erfolgreich begleiten. Weitere Fragestellungen beziehen sich auf: Nachholen eines Berufsabschlusses, Umschulung, Ausbildung oder andere abschlussbezogene Qualifizierungsmöglichkeiten.

Beispiele für Beratungsergebnisse:

 

  • Einige Kundinnen bzw. Kunden mit Migrationshintergrund haben einen Kurs zur Anerkennung ihres im Ausland erworbenen Berufsabschlusses zur Krankenschwester bzw. zum Krankenpfleger begonnen.
  • Ein weiterer Kunde bereitet sich im Rahmen eines Kurses auf die Externenprüfung zum Kaufmann im Einzelhandel vor.

 

 

Weiterbildungsportal „pro-weiterbildung.de“

Aus den bisherigen Gesprächen mit Interessenten und Interessentinnen sowie Unternehmen ist ein deutlicher Beratungs- bzw. Informationsbedarf zum Thema Externenprüfung abzuleiten. Dieser resultiert zum einen daraus, dass die Rahmenbedingungen und Wege mehrheitlich unbekannt, darüber hinaus die Angebote an Kursen zur Vorbereitung auf eine Externenprüfung für den Ratsuchenden / die Ratsuchende schwierig zu identifizieren sind; desgleichen für die Berater und Beraterinnen der WBB.

 

Um eine höhere Transparenz bezüglich der bereits bestehenden Angebote zu schaffen, wurde mit der Leiterin der Stiftung Weiterbildung (Kreis Unna) – die Stiftung ist Träger der Weiterbildungsdatenbank – im September verabredet, diese Vorbereitungskurse und das Projekt explizit in der Datenbank „pro-weiterbildung.de“ (Dortmund, Kreis Unna, Hamm) zu benennen. Aufgrund der anstehenden Überarbeitung der Datenbank wird das Projekt „NQ Dortmund“ zunächst im vorhandenen System auf der Seite „Aktuelles“ kurz dargestellt. In der neuen, überarbeiteten Version wird es dann bei der Suchfunktion Berücksichtigung finden und zudem auf der Startseite sichtbar sein. In dem geplanten Trägerworkshop im Februar 2012 sollen gemeinsam Standards erarbeitet und Stichworte zur Suchfunktion in der Datenbank festgelegt werden. Zum Teilbereich „Standards zur Zulassung zur Externenprüfung“ wird „NQ Dortmund“ Rücksprache mit der Expertengruppe sowie mit der HWK und der IHK zu Dortmund halten.

 

Kooperationen

Es wurde eine erste Zusammenarbeit mit dem Zeitarbeitsunternehmen Start NRW initiiert. Gemeinsames Ziel ist es derzeit, insbesondere im Bereich der Alten- und Krankenpflege qualifiziertes Personal zu generieren. Dies erfolgt zum einen berufsbegleitend, zum anderen aber auch über das Instrument WeGeBau: eine Arbeitnehmerin ging in eine Qualifizierung und der Arbeitgeber bekam in der Zeit eine Ersatzkraft zur Verfügung gestellt. Daneben gibt es weitere Kontaktaufnahmen zu anderen seriösen Zeitarbeitsunternehmen, mit denen wir eine ähnliche Zusammenarbeit anstreben.

 

Eine weitere Kooperation besteht mit der Unternehmensberatung CE Consult, Curt Ebert GmbH & Co KG (Mitglied der Expertengruppe). Diese führt u.a. im Rahmen von Projekten Potenzialberatungen und Bildungs- bzw. Qualifizierungsbedarfsanalysen in Unternehmen durch. Nachhaltige Fachkräftesicherung und Personalbindung zeigt sich in diesem Zusammenhang inzwischen als eine wichtige Aufgabe für Unternehmen. Ein Weg ist es, beispielsweise auf Basis von Personalplanungen die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in den beteiligten Unternehmen zu identifizieren, die sich beruflich entwickeln möchten – z.B. durch das Nachholen des Berufsabschlusses. In diesen Fällen werden unsere Beraterinnen und Berater einbezogen.

 

Ansprache von Unternehmen

Es wurden bisher mehr als 800 Dortmunder Unternehmen angeschrieben bzw. angesprochen. Mit einem Teil dieser Unternehmen bestehen jahrelange enge Kontakte aus anderen Projekten. Einige Unternehmen zeigen sich interessiert und die weitere Zusammenarbeit wird zeigen, wie wir das Thema „Nachqualifizierung“ erfolgreich in diesen Unternehmen platzieren können.

 

Die Mitglieder der Expertengruppe sowie Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Projekten in Dortmund, deren Hauptthema die Förderung der Weiterbildung von Beschäftigten ist, unterstützen das Projekt als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren. Außerdem bestehen Kontakte zu Transfergesellschaften und Unternehmensverbänden, die 2012 intensiviert werden.

Auf der Messe Mit weitsichtiger Unternehmensstrategie ganz oben mitspielen!" im November 2011 unter Federführung der Regionalagentur Westfälisches Ruhrgebiet war das Vorhaben „NQ Dortmund – Dortmunder Initiative Pro Berufsabschluss“ mit einem Informationsstand vertreten.

 

Cultural Mainstreaming

In dem Projekt NQ Dortmund – Dortmunder Initiative Pro Berufsabschluss sind Migranten und Migrantinnen eine Hauptzielgruppe.

 

Mit Blick darauf sind nachfolgende Aktivitäten beispielhaft zu nennen:

 

  • Die Hälfte des Beraterteams hat einen Migrationshintergrund und kann sich somit „sensitiv“ auf die Ratsuchenden einstellen. Im Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern von Migrantenselbstorganisationen entwickeln wir derzeit ein kultursensibles Beratungskonzept, um diesen Vorgang zu professionalisieren.
  • Es sind Informationsveranstaltungen in den Migrationsbetrieben terminiert, mit denen das EWZ schon seit Jahren erfolgreich im Rahmen anderer Projekte arbeitet. Hier wird ein bestehendes Netzwerk genutzt und innerhalb dieses Projektes weiter ausgebaut.
  • Wir haben Informationsflyer in Türkisch und Russisch übersetzen lassen. Desgleichen arbeitet derzeit ein Übersetzer daran, Teile der NQ-Homepage in diese beiden Sprachen zu übersetzen.
  • Es besteht eine enge Zusammenarbeit mit den Beauftragten für Chancengleichheit bzw. der stellvertretenden Ausländerbeauftragten der Agentur für Arbeit und des Jobcenters Dortmund.
  • Das NQ-Dortmund-Team ist in einem beständigen Austausch mit dem VMDO e.V., einem Dortmunder Dachverband von 18 Migrantenorganisationen mit verschiedenen Migrationshintergründen (lazisch, türkisch, kurdisch, sierreleonisch, persisch, russisch, zazakisch, kamerunisch, nigerianisch, griechisch, tamilisch etc.).
  • In der Expertengruppe ist sowohl eine Mitarbeiterin der Migrations- und Integrationsagentur der Stadt Dortmund als auch eine Unternehmensberatung, deren Inhaber Migrationshintergrund haben und nur Migrationsbetriebe beraten, vertreten.
  • Mit der Koordinierungsgruppe der Dortmunder Träger für Integrationskurse haben wir regelmäßige Informationsveranstaltungen für die Teilnehmenden der Deutschkurse vereinbart. Darüber hinaus betätigen sich die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sowie Dozentinnen und Dozenten als Multiplikatoren und Multiplikatorinnen für das Projekt.
  • Des Weiteren ist NQ Dortmund kontinuierlich in der lokalen interkulturellen Presse präsent (Hürriyet, Mozaik, Post, Echo der Vielfalt, etc.).

 

 

Gender Mainstreaming

Es besteht ein regelmäßiger Austausch mit „PETEK – Business-Netzwerk Migrantinnen“. Vertreten sind in PETEK Unternehmerinnen aus verschiedenen Bereichen, wie z. B. Unternehmensberatungen, Versicherungsbranche, Einzelhandel, Webdesign und Printmedien.

 

Im Oktober 2011 wurde unter der Regie der Abteilung „Frau.Innovation.Wirtschaft“, Wirtschaftsförderung Dortmund, die Veranstaltung „Dortmunderinnen vernetzt“ durchgeführt, auf der sich im Rathaus ca. 50 Unternehmerinnen einem breiten Publikum präsentierten. Hier wurde unter anderem das Projekt NQ Dortmund dargestellt.

Wir achten kontinuierlich darauf, dass Frauen wie Männer in unseren Veröffentlichungen gleichermaßen angesprochen werden. NQ Dortmund ist auf der Homepage „www.wiedereinstieg-dortmund.de“ vertreten. Wir arbeiten daran, NQ Dortmund sukzessive in Netzwerken und Initiativen, die zum einen den beruflichen Wiedereinstieg von Frauen fördern und zum anderen von Unternehmerinnen organisiert werden, bekannt zu machen.

 

Nachhaltigkeit

Das Projekt NQ Dortmund – Dortmunder Initiative Pro Berufsabschluss ist von Projektbeginn an auf Nachhaltigkeit angelegt. Nach Beendigung des Projektes wird die „Beratung zur Nachqualifizierung“ unter dem Dach des dwf. – Dortmunder Weiterbildungsforum e.V. weitergeführt. Der entsprechende Kooperationsvertrag besteht seit Dezember 2010.

 

Es finden aktuell Gespräche darüber statt, das Thema „Nachqualifizierung“ in die „Lokale Arbeitsmarktstrategie bis 2015“ einzubinden.

 

Projekt­darstellungen

Arbeits­materialien

 
Förderung
Durchführung