JVA Bayern
Nürnberg - FREI: Fachkräfte durch Reintegration ehemaliger Inhaftierter, Bayern, Förderlaufzeit: 01.09.2010-31.08.2013


Kontakt

Bfz gGmbH Nürnberg
Fürther Str. 212
90429 Nürnberg

www.nq-jva-bayern.bfz.de


Durch den demografischen Wandel und die anziehende Konjunktur wird es für Firmen immer schwerer, geeignete Mitarbeiter zu bekommen. Dem wachsenden Stellenangebot für Arbeitskräfte mit guter Ausbildung steht ein deutlicher Rückgang an Stellenangebote für gering Qualifizierte gegenüber. Da dies auf den größten Teil der Inhaftierten zutrifft, besteht ein Bedarf, qualifizierte Beschäftigungsfähigkeit herzustellen, um Strafgefangene nach ihrer Haftzeit nachhaltig in den Arbeitsmarkt integrieren zu können.

Für das Projekt wurden aus den bayrischen Justizvollzugsanstalten modellhaft Nürnberg, Bayreuth und Landsberg ausgewählt. Alle 3 Standorte und Justizvollzugsanstalten haben unterschiedliche Ausgangslagen für Qualifizierungsangebote: Die Struktur der Inhaftierten reicht von einer durchschnittlichen „Verweildauer“ von 100 Tagen im Erst- und Regelvollzug bis zu sehr langen und lebenslänglichen Haftzeiten mit Sonderzuständigkeiten für besondere Gefangenengruppen. Auch die Situation auf dem Arbeitsmarkt stellt sich unterschiedlich dar: Nürnberg als klassischer Standort mit Schwerpunkt Metall- und Elektroindustrie hat noch immer im Gefolge der Umschichtungen in den letzten Jahren mit einer hohen Arbeitslosenquote von über 7% zu kämpfen, während der Raum Landsberg von mittelständischen Unternehmen geprägt ist bei einer Arbeitslosenquote von unter 3%. Vergleichsweise geringe Industrieansiedlungen als ehemaliges Grenzgebiet kennzeichnen den Bayreuther Arbeitsmarkt mit vielen klein- und mittelständischen Betrieben.

Die beruflichen Fortbildungszentren haben auf Anregung des Bayrischen Justizministeriums das Projekt FREI entwickelt, um mit dazu beizutragen, abschlussorientierte Nachqualifizierung nachhaltig für die Zielgruppe der Strafgefangenen zu verankern. Dadurch sollen langfristig die Integrationsquoten auf dem Arbeitsmarkt erhöht, Rückfallquoten verringert, Netzwerke und Synergien ausgebaut sowie Strukturen für Nachqualifizierung optimiert werden.

Die Umsetzung der Ziele erfolgt über verschiedene Ebenen:

  • Das Projekt soll die Betriebe und die Öffentlichkeit für die Potenziale der Inhaftierten sensibilisieren. Wir informieren und beraten Unternehmen/Verbände über Chancen der Fachkräftegewinnung durch ehemalige Strafgefangene bzw. über die Möglichkeiten der modularen Nachqualifizierung dieser Zielgruppe im Unternehmen und damit der Eröffnung neuer Wege zur Gewinnung und Qualifizierung von Mitarbeitern.
  • Beratende und begleitende Leistungen für die Verantwortlichen der Justizvollzugsanstalten hinsichtlich der Organisation von Qualifizierungsangeboten. Bestehende Angebote werden erhoben, weiterentwickelt und angepasst. Das Instrument der modularen abschlussorientierten Nachqualifizierung soll die Angebote der beruflichen Qualifizierungen und Ausbildung in den Justizvollzugsanstalten effektiv ergänzen, damit während der Haft für eine größere Anzahl von Inhaftierten berufliche Perspektiven fundiert werden können, die sich nach der Haftzeit weiter ausbauen lassen.
  • Individuelle Beratung von Gefangenen bezüglich Stellensuche und Nachqualifizierungsmöglichkeiten unter besonderer Berücksichtigung von Inhaftierten mit Migrationshintergrund.
  • Vernetzung aller an der beruflichen Integration beteiligten Institutionen inklusive Aufbau möglicher weitere gewinnbringender Netzwerke.
  • Ausbau der vorhandenen Angebote zur Nachqualifizierung.

Ergebnisse

Ergebnisse

Das sich an (ehemalige) Strafgefangene richtende Nachqualifizierungsprojekt "Fachkräfte durch Reintegration ehemaliger Inhaftierter: FREI" wurde von den Beruflichen Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (bfz), Standorteinrichtung Nürnberg, durchgeführt. Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit drei Justizvollzugsanstalten - der JVA Nürnberg, der JVA Bayreuth und der JVA Landsberg/Lech - umgesetzt. Die sehr unterschiedlichen Gegebenheiten an den drei JVA-Standorten erforderten jeweils unterschiedliche Umsetzungsstrategien. Das bayerische Justizministerium unterstützte die Projektumsetzung.
Das Projekt trug durch folgende Aktivitäten und Ergebnisse zur Erreichung der förderpolitischen Zielen des BMBF-Programms bei:
* Aufbau von JVA-internen Beratungsstrukturen und deren Verknüpfung mit "externen" Arbeitsmarkt- und Bildungsakteuren;
* Erschließung der beruflichen Potenziale un- und angelernter Inhaftierter und Etablierung des Weiterbildungsinstruments "Nachqualifizierung" in den JVA-Strukturen;
* Einbringen von auf Nachqualifizierung bezogenem Schulungswissen in die Haftanstalten in Zusammenarbeit mit Bildungsdienstleistern, Kammern und Akteuren der Regelförderung - Schulung von Ausbildern und Lehrkräften;
* Erprobung von am individuellen Bedarf orientierten Qualifizierungsangeboten;
* Schaffen von Strukturen zur Sicherung und Weiterführung der in der Haft begonnenen Qualifizierung nach der Entlassung;
* Werben bei Kammern, Unternehmen und anderen Arbeitsmarktakteuren für die Potenziale von Inhaftierten und für die Verbesserung der betrieblichen Integrationschancen von Haftentlassenen;
* Entwicklung von auf Weiterbildung bezogenen Instrumenten und Materialien, die auch in anderen als den einbezogenen Justizvollzugsanstalten eingesetzt werden können;
* Transfer des Weiterbildungskonzepts "Nachqualifizierung" in JVAn, die nicht unmittelbar in das Projekt einbezogen waren.
Das im Projektverlauf entwickelte Beratungshandbuch wurde in den drei eigebundenen JVAn sehr erfolgreich eingesetzt und in der letzten Projektphase auch den anderen 33 bayerischen JVAn zur Verfügung gestellt. Aus der Projektarbeit resultierende Ergebnisse wurden somit bedarfsgenau transferiert; das zusammengestellte Instrumentarium wird zukünftig den auf berufliche Weiterbildung orientierten Beratungsprozess mitprägen. Das Thema Nachqualifizierung für (ehemalige) Inhaftierte wurde durch die Stärkung der JVA-internen Beratungskompetenz und durch die Schulung von im Übergangsbereich Tätigen sowie durch die Bereitstellung erprobter NQ-Konzepte umfassend bekannt gemacht; in den JVA-Strukturen Bayerns ist Nachqualifizierung nun als ein Instrument der beruflichen Weiterbildung bekannt und kann unter Nutzung bestehender Strukturen umgesetzt werden.
Auch die in Kooperation mit dem NQ-Projekt der HWK Nürnberg aufgebauten und auf Nachqualifizierung ausgerichteten Netzwerke werden weiterwirken; insbesondere der "Runde Tisch" der Bildungsdienstleister wird auch zukünftig die Angebotsentwicklung sicherstellen.
In die im Bayerischen Justizministerium eingerichtete ministerielle Arbeitsgruppe "Übergangsmanagement" wurde das Thema Nachqualifizierung eingebracht und wird bei der Entwicklung von Integrationsstrategien auf Landesebene Berücksichtigung finden.

Fazit

Die wissenschaftliche und wirtschaftliche Anschlussfähigkeit ist gegeben.
Das Projekt trug dazu bei, dass der Erwachsenenvollzug sich im Bereich der beruflichen Bildung langsam den im Jugendvollzug geltenden Förderstandards nähert. Durch die Zusammenarbeit der drei Bundesländer in dem vom BMBF geförderten Projekt, konnten die für den Strafvollzug zuständigen Referate der Justizministerien und die beteiligten Justizvollzugsanstalten ihren Gestaltungsspielraum vergrößern. Das Erproben neuer auf Nachqualifizierung bezogener Beratungs-, Betreuungs- und Kooperationsstrukturen wurde erst durch das Zusammenwirken möglich. Die geschaffenen Strukturen, mit denen zum Teil neue organisatorische Wege beschritten wurden, wirken sich nicht nur auf die im Zentrum der Förderung stehende Nachqualifizierung aus, vielmehr hat das neue Konzept auch für die Umsetzung anderer Weiter- und Ausbildungsangebote innovative Strukturen geschaffen. Die erprobten Konzepte können in modifizierter Form auch auf andere (am Projekt nicht beteiligte) Länder übertragen werden.
Durch das Projekt wurde Nachqualifizierung in den JVA-Strukturen als weitgehend neues Thema verankert und die bereits vorhandenen Ansätze zur beruflichen Bildung wurden durch die Projektaktivitäten gestärkt. Die beteiligten Justizministerien und JVA-Leitungen anerkennen diese vom Projekt angestoßene Entwicklung und bestätigen die positiven (Folge-)Wirkungen, an die angeknüpft werden soll.
Die vom Projekt initiierten Maßnahmen entsprachen dem Bedarf der Inhaftierten, dies zeigte die Nachfrage der angebotenen Kurse. Auch die Arbeits- und Werkbetriebe sahen sich durch die Organisation von "Lernen im Arbeitsprozess" in der JVA aufgewertet. Von der Gewinnung externer Kooperationspartner wie Unternehmen, Kammern und Arbeitsagenturen profitierten nicht nur die unmittelbar in das Projekt Eingebundenen, vielmehr hat die Erschließung neuer Partner weitergehende Auswirkungen auf die Arbeits- und Qualifizierungsgestaltung in den JVA. Die entstanden Kooperationsstrukturen werden in weitergefassten Kontexten fortgesetzt.
Ein Ziel des Projekts war es, durch die Entwicklung von Angeboten und Instrumenten Grundlagen für die Ausstellung arbeitsmarktverwertbarer Zertifikate oder Tätigkeitsnachweise zu schaffen, die zu einer Verbesserung der Zugangschancen Haftentlassener in den Arbeitsmarkt beitragen. Entsprechende zertifizierte Kursangebote, ein spezielles Tätigkeitsnachweis-Instrument und ein Qualifizierungspass wurden entwickelt und stehen für den Transfer bereit; diese Produkte sind auch für Vollzugseinrichtungen anderer Bundesländer von großem Interesse.
Die Nutzung der Lernplattform eLiS im Rahmen der Projektumsetzung hat sich bewährt. Es soll an einigen Standorten weiter genutzt und auf neue Bedarfe hin weiterentwickelt werden.

Aktivitäten rund um die Berufliche Bildung während der Haft

Einer der Schwerpunkte der Arbeit in den beteiligten JVAen lag in der Entwicklung und Begleitung von Aktivitäten rund um das Thema Berufliche Bildung. Für das Thema Nachqualifizierung wurde JVA-intern intensiv geworben und die Möglichkeiten wurden eruiert, bedarfsgenaue Nachqualifizierungsangebote zu schaffen.
Inhaftierte sind nicht immer motiviert, sich über berufliche Bildung neue Perspektiven nach der Entlassung zu erschließen. So bedurfte es z.B. verstärkter Aktivitäten, um ein gemeinsames Pilotprojekt der Arbeitsagentur mit verschiedenen JVAen zu installieren und den Inhaftierten nahezubringen, das die JVA-interne Nutzung von PC zur Stellen- und Weiterbildungssuche sowie die Bereitstellung von Daten zu Bewerbungsprozessen umfasst. FREI begleitet dieses Projekt, hat Werbematerial dafür entwickelt und berät und unterstützt Interessierte bei der Arbeit am PC.
Als Pilotprojekt wurde auch ein Bewerbungstraining in der JVA Bayreuth durchgeführt. Der mit der Durchführung betraute Trainer wurde von einer FREI-Mitarbeiterin geschult, um in diesem Rahmen auf die Möglichkeiten abschlussorientierter modularer Nachqualifizierung zu verweisen und die Teilnehmer gezielt dahingehend beraten zu können.
BAMF-Sprachkurse wurden aufgrund des erfolgreichen ersten Durchgangs in Landsberg nochmals angeboten und auch in Bayreuth neu in das Bildungsangebot aufgenommen; der Schwerpunkt bildet das Berufsfeld Lagerist (incl. Gabelstaplerschein).

Übergangsmanagement

Dem Übergangsmanagement kommt bei der Arbeit von FREI besondere Bedeutung zu, um die Anschlussfähigkeit von in der Haft begonnenen Bildungsgängen zu sichern. In Fortführung der Bildungsbegleitung während der Haftzeit bedarf es der weiteren Hilfestellung nach der Entlassung. Deshalb hat FREI das Projekt „Brücken bauen“ entwickelt und initiiert. In diesem Projekt durchlaufen Inhaftierte während der Haft kurze berufliche Qualifizierungen und können hierbei zu dem verantwortlichen Projektmitarbeiter Kontakt aufbauen. Diese Kontaktperson begleitet den Entlassenen auch nach der Haft , berät in sozialen und beruflichen Integrationsfragen und betreut den Eingliederungsprozess in Arbeit oder Ausbildung. Das Projekt zeigt gute Erfolge. Besonders in JVAen mit kurzen Verweildauern der Inhaftierten (die eine Installierung von Bildungsangeboten erschweren), können die entwickelten Qualifizierungs- und Begleitangebote für die Betroffenen neue Integrationschancen eröffnen.
Auch die geplante Durchführung einer Schulung von JVA-Multiplikatoren zur Umsetzung eines Qualifizierungsmoduls im Bereich Garten- und Landschaftsbau soll helfen, Übergangsprozesse zu optimieren. Exemplarisch soll aufzeigt werden, wie ein Bausteinkonzept funktionieren kann, mit dessen Umsetzung bereits während der Haft begonnen wird und das nach der Haft berufsbegleitend und in modularer Form bis zum beruflichen Abschluss weitergeführt wird.

Beratungen

FREI berät Inhaftierte, versucht Wege zum beruflichen Abschluss aufzuzeigen, entwickelt bedarfsbezogene Angebote und unterstützt Qualifizierungsprozesse bis hin zur Prüfungsvorbereitung. In der Mehrzahl der Fälle kann die Beratung allerdings nur auf Perspektiven verweisen, die erst nach der Haft zum Tragen kommen. Jedoch kann die Zeit der Haft dazu genutzt werden, berufliche Bildungsstrategien zu entwickeln, konkrete Qualifizierungsschritte zu planen und einzuleiten. Die detaillierte Erhebung und Dokumentation der beruflichen Vorerfahrungen und Kompetenzen der Inhaftierten sowie das Dokumentieren, der während der Haft gewonnen beruflichen Erfahrungen, haben sich als wichtige Grundlage erwiesen, auf der individuelle und konkrete Beratung sowie die Entwicklung einer bedarfsgerechten Qualifizierungsstrategie aufbauen kann. In der Fortführung dieses Ansatzes sieht FREI eine gute Möglichkeit, die berufliche (Re-)Integration von Inhaftierter bzw. Haftentlassener weiter zu effektivieren.

Öffentlichkeitsarbeit

Durch von FREI angeregte Treffen verschiedener Fachinstitutionen in der JVA - z. B. Berufsbildungsausschuss der HWK, Innungsmeister, für die Externenprüfung zuständigen IHK-Mitarbeiter – soll mehr Transparenz über Abläufe und Qualifizierungen in den Vollzugsanstalten erreicht werden; darüber hinaus dienen sie dem Netzwerkauf- und -ausbau.
FREI sieht in einer geplanten Kooperationsvereinbarung zwischen den bayerischen Kammern und dem Justizministerium einen wichtigen Schritt, die JVAen als Akteure beruflicher Bildung stärker in den Focus zu rücken und unterstützt diesen Prozess.
Von FREI und dem regionalen Partnerprojekts NQ RuN wurde vor zwei Jahren ein Runder Tisch regionaler Bildungsträger ins Leben gerufen. Dieser beschäftigte sich 2012 neben der Einrichtung einer „Clearingstelle“, die den Prozess der gemeinsamen Entwicklung und Umsetzung von Modulen erleichtern soll, vor allem mit der Planung eines „Tages der Nachqualifizierung“ in Nürnberg. Eine Weiterführung dieses Runden Tisches, der zur Schaffung von mehr Nachqualifizierungsangeboten und größerer Angebotstransparents in der Region installiert worden war, ist nach Ende der Laufzeit der beiden Projekte vorgesehen, entsprechende Schritte zur nachhaltigen Verankerung wurden bereits eingeleitet.

Nachqualifizierung im Strafvollzug

Die Umsetzung der Projektziele von FREI wird in enger Abstimmung mit dem Bayerischen Staatsministerium der Justiz und für Verbraucherschutz durchgeführt, das von Beginn an das Projekt mit unterstützt hat.
Die Nachqualifizierung im einschränkenden Rahmen einer Justizvollzugsanstalt fordert nicht nur von allen in der JVA Beteiligten, sondern vor allem von den Kooperationspartnern im Projekt FREI ein Höchstmaß an Flexibilität und Verständnis für die jeweilige Lage und die vorliegenden Bedingungen, unter denen eine solche (Nach-)Qualifizierung stattfindet. Nur durch die Offenheit und das Einlassen auf die Begrenzungen der Situation der mit der Ausbildung bzw. Qualifizierung befassten Institutionen wie Kammern, Innungen sowie den ausbildenden Betrieben und Berufsschulen wird die Durchführung eines solchen Projektes erst möglich.

Informationsveranstaltungen

In den beteiligten Justizvollzugsanstalten (JVA) wurden für die Multiplikatorinnen und Multiplikatoren vor Ort (Anleiter, Anstaltslehrer, Sozialdienste) Informationsveranstaltungen zum Thema abgehalten, weil bei diesen das entsprechende Wissen über die aufzugreifenden Kompetenzen der Inhaftierten und der bestehende Kontakt mit diesen am effektivsten genutzt werden kann. In den JVAs Nürnberg und Landsberg wurden darüber hinaus Informationsveranstaltungen für die Inhaftierten durchgeführt, um direkten Kontakt mit den mittelbaren Adressaten des Projekts aufzubauen.

Bei Veranstaltungen außerhalb der JVA wurden weitere wichtige Kooperationspartner über das Projekt ausführlich informiert. Dabei gelang es sehr gut, das Interesse der angesprochen Kammern, Innungen und Betriebe am Projekt als weiteren Aspekt im Portfolio der Reintegrationsmöglichkeiten von ehemaligen Inhaftierten zu wecken und erste Grundsteine für eine spätere kontinuierliche Zusammenarbeit zu legen.

Angebote im JVA-Rahmen

  • Installieren von Lerngruppen:
    Durch die Einrichtung von Lerngruppen zur Prüfungsvorbereitung, vor allem in den allgemeinbildenden Fächern Sozialkunde und Fachrechnen, werden die Inhaftierten auf die bevorstehenden Abschlussprüfungen vorbereitet.
  • Unterrichtsmaterial zum Selbststudium:
    Begleitend werden weiterführende Angebote zum Thema Lernen lernen und geeignetes Unterrichtsmaterial zum Selbststudium zur Verfügung gestellt.
  • Versetzung in fachspezifische Abteilungen:
    Parallel dazu wurde von Projektseite angeregt, sofern dies anstaltsintern möglich ist, die Inhaftierten in die entsprechenden fachspezifischen Abteilungen der JVA zu versetzen, um hier die nötigen berufsspezifischen Kenntnisse zu trainieren bzw. sich neu anzueignen.
  • Ausweitung der bestehenden Qualifizierungsangebote:
    In Zusammenarbeit mit den Zuständigen der JVAs arbeitet FREI kontinuierlich an der Ausweitung der bestehenden umfangreichen Qualifizierungsangebote in den Anstalten. Damit soll für die Inhaftierten nach Beendigung der Haft eine Grundlage für die Möglichkeit zur Weiterqualifizierung bis hin zum Erreichen eines beruflichen Abschlusses geschaffen werden.
  • Berufsbezogener Deutschkurs:
    Aufgrund des hohen Anteils von Inhaftierten mit Migrationshintergrund wurde in der JVA Landsberg im Rahmen eines Pilotprojektes ein Deutschkurs mit stark berufsbezogenem Inhalt im Rahmen der ESF-/BAMF-Kurse initiiert, welcher im Jahr 2012 aufgrund der sehr guten Ergebnisse mit spezifischer Ausrichtung auf den Bereich Lagerhaltung weitergeführt wird. Neben dem deutlich verbesserten Zugang zum Arbeitsmarkt hat der Sprachkurs durch die gesteigerte Kommunikationsfähigkeit auch die soziale Interaktion innerhalb der JVA wesentlich verbessert.
  • Leistungsnachweise:
    Die Dokumentation von in der Haft gemachten beruflichen Erfahrungen und Qualifizierungen zu erleichtern und zu verbessern ist ein Tätigkeitsgebiet von FREI.
    Exemplarisch wurde ein Kurs für Gebäudereiniger in Zusammenarbeit mit der zuständigen Innung begleitet. Die innerhalb der JVA abgelegten Leistungen werden durch die prüfende Innung bestätigt, welche auch bei der Arbeitsplatzsuche nach der Haft unterstützt.
    Ergänzt durch ein Bewerbungstraining erhalten die Inhaftierten Informationen über mögliche Unterstützungsleistungen durch Jobcenter und Arbeitsagentur, um nach der Entlassung den direkten Weg zu staatlichen Leistungen zu finden. Die durch die Innung angebotene Prüfungsvorbereitung ermöglicht es, auf Basis des in der JVA angebotenen Kurses den Weg bis hin zum Facharbeiterabschluss zu gehen.

Netzwerk Übergangsmanagement

  • Berufliche Nachqualifizierung ist ein wichtiger Baustein in der komplexen Struktur eines erfolgreichen Übergangsmanagements. In den drei Standorten Nürnberg, Landsberg und Bayreuth wurden die Netzwerkpartner über die Inhalte und Wege der Nachqualifizierung informiert. In gemeinsamen Treffen und Informationsveranstaltungen wurden die Grundlagen für zukünftige Kooperationen gelegt. Bewährt hat sich dabei die Begleitung von ehemals Inhaftierten durch FREI zur Externenprüfung bei den Kammern. Eine effektive und erfolgreiche Unterstützung ist nur durch den intensiven Austausch und die Kooperation aller Beteiligten möglich. Der Gesamtheit der Netzwerkpartner wird langfristig ein zusätzliches Instrument an die Hand gegeben, um durch berufliche (Nach-)Qualifizierung eine der zentralen Voraussetzungen für die Integration in den ersten Arbeitsmarkt zu schaffen.
  • Mit folgenden Netzwerkpartnern wurden im Rahmen des Projektes FREI bisher Kontakte geknüpft bzw. zusammenarbeitet:
    Die Justizvollzugsanstalten an den drei Standorten, mit den jeweiligen Ansprechpartnern, Sozialdiensten und Handwerksmeistern, Institutionen im Bereich Resozialisierung, Bewährungshilfe, Zentralstelle für Straffälligenhilfe, Arbeitskreis Resozialisierung, Sozialdienst katholischer Männer, Handwerkskammern, Industrie- und Handelskammern, Amt für Landwirtschaft, Verband der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie, Ausbilder, Logistikfirmen und Verbände, Zeitarbeitsfirmen, Hotel- und Gaststättenverband, Kreishandwerkerschaft Nürnberg, verschiedene Innungen, Berufsschulen und die Forensische Abteilung des Bezirkskrankenhaus Bayreuth

Öffentlichkeitsarbeit

  • Führungen und Veranstaltungen in den JVAs:
    Für die beteiligten Innungen, Verbände und Kammern werden Führungen in den Werkstätten der JVAs, Gespräche und Kontakte mit den Inhaftierten, aber auch Veranstaltungen in Anstaltsräumlichkeiten angeboten, so hielt z.B. der VBM seine Personalleitertagung in einer JVA ab. Wie sich bei diesem ersten Versuch sehr erfolgreich gezeigt hat, trägt dies entscheidend dazu bei, eventuell vorhandene Vorbehalte und Akzeptanzhemmnisse gegen ehemalige Inhaftierte als potenzielle neue Mitarbeiter oder Mitarbeiterinnen zu revidieren. Auch kann aufgezeigt werden, dass eine Ausbildung/Beschäftigung in einem Anstaltsbetrieb durchaus den Anforderungen der freien Wirtschaft genügt.
  • Internetauftritt:
    Bei der Erstellung des Internet-Auftritts wurde darauf geachtet, dass die notwendigen Informationen zur modularen abschlussorientierten Nachqualifizierung für alle Zielgruppen verfügbar sind. Dabei sollen vor allem auch die Angehörigen, als überaus wichtige Unterstützer „draußen“, angesprochen und informiert werden, aber auch die angesprochenen Multiplikatoren und Multiplikatorinnen.

Nachhaltigkeitsstrategien

  • Handreichungen für die Beratenden:
    Zur Sicherstellung der Nachhaltigkeit werden für die Beratenden vor Ort Handreichungen mit den für die Nachqualifizierung maßgeblichen Wegen und Instrumenten geschaffen, die stets auf dem aktuellen Stand gehalten werden.
  • Intensive Zusammenarbeit mit den JVAs:
    Durch die intensive und fortdauernde Zusammenarbeit mit den Zuständigen der JVAs bleibt das Thema Nachqualifizierung dauerhaft präsent und wird so langfristig verankert.
  • Gemeinsame Veranstaltungen innerhalb und außerhalb der JVAs:
    Die durch den persönlichen Kontakt der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Kammern und der Beauftragten in den JVAs bei gemeinsamen Veranstaltungen gelegten Grundlagen sichern auf Dauer eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. Auch die Mitarbeit bei der Etablierung eines „Runden Tisch Bildungsträger“ in Nürnberg in Zusammenarbeit mit dem Projekt NQ RuN soll langfristig die Angebote für Nachqualifizierung ausweiten und Kooperationen erleichtern.
  • Gemeinsame Arbeit auf der operativen Ebene:
    Die gemeinsame Arbeit mit den Bewährungshelfern vor Ort wird weiterhin intensiviert. Als direkt mit den entlassenen Häftlingen Tätigen können Sie diesen am besten als qualifizierte und informierte Partner vor Ort zur Seite stehen.
  • Berufsschulen:
    Das Projekt FREI stellt eine langfristige Unterstützung durch den Kontakt mit den involvierten Berufsschulen sicher, hier allerdings situationsbedingt beschränkt auf die Inhaftierten mit einem Freigänger-Status bzw. nur für die Zeit nach der Haftentlassung greifend.
  • Regionale und überregionale Akzeptanz fördern:
    Bei den regelmäßigen bayernweiten Treffen der meist mit der beruflichen Qualifizierung betrauten Anstaltslehrer werden die Ergebnisse und die Umsetzungsstrategien der Nachqualifizierung für Inhaftierte vorgestellt. Auch wird durch die Einbeziehung des gesamten Netzwerkes des bfz als Teil der bbw-Gruppe der Informationstransport und die vorbehaltfreie Akzeptanz der ehemaligen Inhaftierten als vollwertige Arbeitskraft in alle Bereiche sichergestellt.
  • Ausbau der Netzwerke
    Unter Einbeziehung der bereits oben angesprochenen Netzwerke der bbw-Gruppe werden die bestehenden Verbindungen ausgebaut und weitere Betriebe für eine Zusammenarbeit im Rahmen des Projektes gewonnen.

 

Projekt­darstellungen

Arbeits­materialien

 
Förderung
Durchführung